Rotmilan südlich von Buoch

Die Buocher Höhe trennt das Wieslauftal vom Remstal und setzt sich in östlicher Richtung im Höhenzug der Berglen fort. Durch ihre bewaldete Lage und die offene Kulturlandschaft bietet sie zahlreichen Tierarten einen idealen Lebensraum – so auch dem Rotmilan.

Die Milane gehören zur Familie der Habichtartigen. Im Bereich der Buocher Höhe ist davon auszugehen, dass es sich nahezu ausschließlich um den Rotmilan handelt.

Milane sind mittelgroße Greifvögel mit langen, im Flug leicht angewinkelten und tief „gefingerten“ Flügeln. Charakteristisch ist ihr auffallend langer Schwanz: Beim Schwarzmilan nur leicht, beim Rotmilan hingegen deutlich gegabelt. Ihr Gefieder ist überwiegend bräunlich, der Kopf hell, mitunter nahezu weiß. Milane leben häufig gesellig, sind elegante Segelflieger und jagen im Suchflug. Ihre Nahrung besteht sowohl aus lebender Beute als auch aus Aas.

Während sich die Bestände des Schwarzmilans in weiten Teilen Europas positiv entwickeln, sind die Populationen des Rotmilans in den letzten Jahren spürbar rückläufig.

Der Name „Milan“ stammt aus dem Französischen und geht auf das spätlateinische milvus (klassisch: miluus) zurück – eine Bezeichnung, die bereits in der Antike für diese Greifvögel verwendet wurde.

Auf der gemähten Buocher Höhe lässt sich der Rotmilan regelmäßig beobachten. Er sucht ebenso in den Gärten von Winnenden nach Nahrung oder zieht seine weiten Kreise über Buoch. Am Haselstein bei Breuningsweiler nutzt er die aufsteigende Thermik der Weinberge, um scheinbar mühelos in der Luft zu stehen.

Der Rotmilan gilt als Standvogel und ist somit das ganze Jahr über in unserer Region anzutreffen. Nur in besonders kalten Wintern weicht ein Teil der Population in südlichere Gebiete wie Spanien oder Italien aus.

Leicht vor die Kamera zu bekommen ist er jedoch nicht. Der Rotmilan ist ausgesprochen wachsam – oft scheint er uns genauer zu beobachten als wir ihn. Bei der geringsten Störung zieht er davon. Nur einmal gelang es mir, einem Rotmilan ungewöhnlich nahe zu kommen. Er hatte in einem Apfelbaum Platz genommen und fühlte sich dort offenbar gut geschützt. Während ich meine Wiese mit dem Balkenmäher mähte, beobachtete er mich aufmerksam. Mehrmals ließ er mich bis nahe an den Baum herankommen, sodass ich ihn deutlich zwischen den Blättern erkennen konnte. Es schien, als verfolge er mit Interesse das Treiben des Menschen.

Rotmilane können ein beachtliches Alter erreichen. Ein freilebendes Exemplar wurde nahezu dreißig Jahre alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung in freier Wildbahn liegt jedoch deutlich darunter. Eine Untersuchung aus Thüringen (Pfeiffer, 2009) zeigte, dass zwei Drittel von 44 untersuchten Rotmilanen zwischen drei und sieben Jahre alt waren; lediglich 16 Prozent überschritten ein Alter von zehn Jahren.

Gerade das erste Jahr ist entscheidend: Nach dem ersten Wegzug leben von einem Jahrgang nur noch etwa 60–65 Prozent. Mit zunehmender Erfahrung sinkt die Sterblichkeitsrate, sodass nach drei Jahren rund 35–45 Prozent eines Jahrgangs überleben und selbst zur Brut schreiten können. Diese Werte sind jedoch stark von Umweltbedingungen abhängig. Nahrungsmangel, illegale Abschüsse, Kollisionen mit Hindernissen oder Stromleitungen sowie Vergiftungen zählen zu den häufigsten Todesursachen.

Sollte die Buocher Höhe künftig durch Windkraftanlagen verändert werden, ist zu erwarten, dass auch der Rotmilan als besonders thermikabhängiger Segelflieger von zusätzlichen Risiken betroffen wäre.

Den Milan richtig erkennen